Kategorienarchiv: ANTIQUITEXT

Früher war mehr Mieder im Werbetext

Vor dem ersten Weltkrieg war alles anders. Und danach sowieso. Ein Rückblick auf vergangene Werbetage fördert Erheiterndes zutage. Die Rubrik Antiquitext zeigt, was die Menschen in den Urzeiten der Werbung wirklich bewegte. So viel sei verraten: Die Welt drehte sich des Öfteren – um nicht zu sagen immer – um Korsagen, Alkohol, Tabak, Waschmittel, Nähmaschinen und andere Laster.

Wenn Sie statt auf Retrowerbung eher auf die gute neue Zeit stehen und auf der Suche nach zeitgemässer Werbung sind, dann wenden Sie sich am besten vertrauensvoll an Volltext. Dessen Texter nämlich verspricht zu wissen, wie man heute zum tausendsten Mal behauptet, dass Omo weisser wasche. Und zwar auf so erfrischend unkonventionelle Art, dass sogar Omi beim Lesen der Werbung hellwach bleibt.

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Welcher Prinz hat Sie schon geküsst?

Ein gutes Inserat stellt seinen Lesern von Zeit zu Zeit eine Frage, auf die es nur eine Antwort geben kann: «Nein.» Denn wenn sich alle bei der Beantwortung der Frage einig sind, werden sie auch dankbar jede Hilfe annehmen, die der Texter der Anzeige bietet, um das Nein in ein Ja zu verwandeln.

Werbetexte - Prinz - Kuss

Werbetext für Bols Prinzen Kirsch, das Facebook von vor 40 Jahren.

Hier haben wir so eine Frage: «Wurden Sie schon einmal von einem Prinzen geküsst?» Wenn dann das traurige Herz der Leserin «Nein!» eingestehen muss, bleibt der hoffnungslos Ungeküssten nur eines: Trost im Alkohol zu suchen, der ihr das Vergnügen eines Jaworts bereiten wird. Bols Prinzen Kirsch ist die Antwort auf Einsamkeit, auf Traurigkeit, auf ein verlassenes Herz. Der Likör aus Maraskakirschen ist aber noch viel mehr als ein handelsüblicher Seelenwärmer in alkoholischem Kleid. Er ist wie ein spanischer Prinz: von milder Glut. Er ist wie der Prinz der drei Haselnüsse für Aschenbrödel: von edler Fruchtigkeit. Das Einzige, was er im Unterschied zu Letztgenanntem nicht ist: von edler Fruchtbarkeit.

Mit seinen 25% Alkohol sah die Welt nach dem Genuss einer Flasche Bols Prinzen Kirsch im Nu ganz anders aus als noch wenige Stunden zuvor. Die Verzauberung von ungeküsstem Zustand in gefühlte Geküsstheit gelang zuverlässig. Man berichtet, dass nach dem Fotoshooting, als die Flasche leer war, die Frau auch nicht mehr dreinblickte, als ob sie in eine saure Kirsche gebissen hätte, sondern irgendwie entspannter. Glücklicher. Berauschter. Sturzbetrunken.

Manche Frau schwärmt noch heute mit Glut in den Augen, wie es damals war, als der Kirschlikör sie an die Sonnenküste Dalmatiens entführte und sanft ihre Lippen berührte. Nun, da der Likör der internationalen Spitze aus dem Hause Erven Lucas Bols nicht mehr erhältlich ist, bleiben als wirksame zeitgenössische Tröster noch Facebook und die Prinzenrolle übrig. Und die ist ein schwacher Ersatz, benetzt sie die Lippen doch eher mit zerbröselnder Trockenheit als edler Fruchtigkeit. Dann eben Facebook, da hat’s wenigstens keinen Alkohol drin.

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